Archiv vergangener Veranstaltungen
___________________________________________________________________________________________
_Wintersemester 2011
|
Mittwoch, 5. Oktober
|
Dr. Andreas Hellmann
Rhizome-Studies III Nach einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Punkte aus den beiden ersten Vorträgen zur Rhizom-Thematik geht es in dieser ersten Veranstaltung im neuen Semester um eine detaillierte Betrachtung der Entstehungs- und Ausbildungsphase von Rhizomen / neuen Netzwerkstrukturen und die Frage, wie Rhizome erhalten werden können. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Tragfähigkeit, der Stabilität und des Verhältnisses eines Individuums zu anderen Individuen in rhizomatischen Strukturen. |
____________________________________________________________________________________________
|
Mittwoch, 19. Oktober
|
Felix Scholkmann
Neue Erkenntnisse und innovative Ansätze aus dem Bereich der Naturwissenschaften. Teil 1 (1) Neutrinos: schneller als Licht? Eine Übersicht über die neuen Ergebnisse des OPERA-Experiments. (2) Neuer Test bestätigt Vorhersage der Modifizierten Newtonschen Dynamik (MOND). (3) Radioaktiver Fallout des Fukushima-Unglücks gemessen in Seattle, USA. (4) Neue Zusammenhänge zwischen Ernähungsgewohnheiten und der Entwicklung von ADHS. (5) Änderungen in der Ionosphäre als Vorhersage für Erdbeben? Eine neue Studie erbringt neue Erkenntnisse. |
____________________________________________________________________________________________ .
|
Mittwoch, 2. November
|
Dirk Schadach
Klassische Formen der Energieerzeugung und erweiterte Prinzipien innovativer Energieumwandlung Ausgehend von der Entwicklung der Dampfmaschinen im 18. und 19. Jahrhundert entstand in der damals jungen Wissenschaft (nach der französischen Revolution und der Aufklärung) ein einfaches und sehr materielles Vorstellungsbild unserer Welt und des Universums. Das Sonnensystem mit seinen Planeten wurde als großes mechanisches Uhrwerk aufgefasst und alle Vorgänge in der Natur (einschließlich der Lebewesen) wurden entsprechend auf ihre mechanischen Funktionen reduziert. In der Wissenschaft entstand die Wärmelehre (Thermodynamik), mit der sich die erstaunliche Kraftgewinnung und Energie“erzeugung“ erklären und berechnen ließ. Auf die Dampfmaschine folgten die Verbrennungsmotoren (Otto, Diesel) und nahezu zeitgleich die Elektrische Energietechnik mit den stromerzeugenden Generatoren und den kraftbereitstellenden Elektromotoren. Das zuvor entstandene mechanistische Weltbild wurde davon kaum beeinflusst. Erst mit der Entwicklung der Relativitätstheorie (Minkowski, Lorentz, Einstein, Kaluza) und der Quantenphysik (Planck, Bohr, Schrödinger, Heisenberg usw.) am Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden erste Risse in der Fassade des mechanistischen Weltbildes. Diese Risse wurden in den folgenden Jahrzehnten tiefer, erreichten jedoch kaum das gesellschaftliche Bewusstsein. So halten wir es beispielsweise heute noch für völlig selbstverständlich, dass die Energieversorgung und die Energieumwandlung allein an den sog. „Hauptsätzen der Thermodynamik“ ausgerichtet ist und bemessen wird. Außerhalb des Mainstreams entstanden aber in den letzten 100 Jahren eine Reihe von Erfindungen auf dem Gebiet der Energie“erzeugung“, die in Übereinstimmung sowohl mit gesicherten, etablierten als auch mit neuen physikalischen Erkenntnissen stehen. Damit könnte das bisher dominierende mechanistische Weltbild von einem neuen „energetischen Weltbild“ abgelöst werden. Der Vortrag gibt einen Überblick über neueste Entwicklungen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energietechnologien (Blockheizkraftwerke, Biotechnologie u.a.) und führt in einem weiteren Schritt in die Forschungsarbeiten des grossen Pioniers der Elektrotechnik – Nikola Tesla (1856-1943) – zur sog. Raumenergie-Konverter-Technik ein, die seit etwa 30 Jahren auch im deutschsprachigen Raum lebhaft diskutiert werden. |
|
Mittwoch, 16. November
|
Axel Malik
Das Reich der Zeichen - Die skripturale Methode und das Konzept der Osmosphere. Reflexionen nach Roland Barthes über die Kräfte und die Veränderungsprozesse vor dem Erscheinen von Sichtbarkeit. Vortrag - Installation - Performance - Diskussion Axel Malik zur skripturalen Methode: Die Autonomie der Schreibbewegung bedeutet mir zunächst, dass ich die Zeichen als von mir unabhängig erfahre. Ihre Unabhängigkeit erkenne ich daran, dass sie sich selbst hervorbringen, die Bewegung strukturiert und formt sich auf Grund einer Eigengesetzlichkeit, die in der Sache begründet ist. Diese Unabhängigkeit macht sie in einem gewissen Sinne auch unzugänglich. Obwohl das Handschriftliche allgemein als die subjektivste Spur und der individuellste Ausdruck einer Person angesehen wird, scheint sich in den komprimierten Netzen autonomer Schreibbewegung das individuelle Selbst aufzulösen. Die Originalität und Individualität kommt allein auf Seiten der Bewegung zum Tragen, während das individuelle Subjekt keinen Halt mehr darin findet. Es kommt mehr auf einen zu, als man selbst hineinlegen kann. Die autonome Skriptur geht von sich aus viel unmittelbarer und intensiver auf Sendung. (Interview 2004, SWR Studio Freiburg) Das Konzept der Osmophere (Axel Malik u. Matthias Heipel) richtet die Aufmerksamkeit auf die Details und die Zusammenhänge, die unsere Sichtweise entregeln können und die vordergründig unspektakuläres, oder nebensächlich Unauffälliges ins Zentrum setzen und die etwas völlig Normales, alltäglich vertrautes und selbstverständliches in etwas nicht-Selbstverständliches drehen, in etwas, das bei genauerem Beobachten schwebend-ungesichert und unerwartet-losgelöst ist oder von verstörend bodenloser Leere. Und das gleichzeitig, wie eine übersehene oder verhüllte Seinszone ins Auge kommt. Ist es möglich, durch diesen Schwebezustand bis zur Rückseite der Realität zu gelangen, wo die Dinge und Beziehungen von anderer Art sind? Biegt sich dort ein doppelter Boden auf, eine Resonanzfläche, die an und in den Dingen, eine Intensität, ein grenzenloses Potenzial und ein fortwährend oszillierendes Beziehungsgeschehen sichtbar macht? An diesem Brennpunkt kommt es zu einer Wahrnehmungsverschiebung oder einem Wahrnehmungsumschwung, weil man nicht von außen auf die Strukturen schaut, sondern in ihre Haut schlüpft. http://www.die-skripturale-methode.de http://www.osmosphere.net |
______________________________________________________________________________________________
|
Mittwoch, 30. November
|
Dr. Jürg von Ins
TANZEND WIRD DIE REDE ENDEN. Jürg von Ins liest aus seinem Roman 'Papa tabu. Die Heilung eines Prügelknaben in Afrika' Jürg von Ins leitete von 1979 bis 1998 Forschungsprojekte über Heilrituale in Ghana und Senegal. Seine Forschungsergebnisse publizierte er 2001 unter dem Titel ‚Der Rhythmus des Rituals’ im Reimer Verlag, Berlin. ‚Papa tabu’ nimmt den Inhalt dieser Studie in Romanform auf und macht ihn einem breiteren Publikum zugänglich. (aus dem Klapptext) Vortrag, Lesung und Präsentation eines Forschungsvideos über das Ndëpp-Ritual der senegalesischen Lebu Der Ndëpp ist das Besessenheitsritual der Lebu, die in und um Dakar (Senegal) leben. Hunderte von Menschen strömen zusammen, um sieben Tage lang zu singen, zu tanzen, zu essen, zu opfern und den Geistern (Rab) neue Altäre zu pflanzen. Meist werden durch den Ndëpp psychische Störungen geheilt, die durch den Zusammenprall der Kulturen im Grossraum Dakar ausgelöst werden. Hier leben Senegalesen verschiedener Sprachgruppen, Franzosen, Chinesen, Amerikaner, Libanesen und Mauretanier auf engstem Raum zusammen. Wie lässt sich soziale Wirklichkeit abbilden, vorführen, repräsentieren? http://juergvonins.ch |
____________________________________________________________________________________________
|
Mittwoch, 14. Dezember
|
Dr. Andreas Hellmann, Felix Scholkmann
Was ist Zeit? Eine Betrachtung aus naturwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive Aus naturwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive wird untersucht, wie sich die Auffassung der Zeit in den letzten rund 150 Jahren – seit Entwicklung der Thermodynamik – gewandelt hat. In der Philosophie beobachten wir in der Tendenz die Abkehr von unserem gewöhnlichen Zeitverständnis – Zeit als einfaches, lineares, passives Verstreichen von Zeit, Zeit reduziert auf einen Parameter, als eine Art vierte Raumdimension - hin zu einem Verständnis von Zeit als einer aktiven, gestalterischen Kraft oder Entität. Wir stellen verschiedene – philosophische und naturwissenschaftliche – Zeitkonzeptionen vor, unternehmen einen Versuch zu deren Klassifizierung und erläutern offene Fragestellungen und Widersprüche. Was bedeuten diese verschiedenen Zeitkonzeptionen für die naturwissenschaftliche Forschung, aber auch für gesellschaftliche Prozesse und letztlich für uns als Individuen? |
_____________________________________________________________________________________________
Sommersemester 2011
|
Mittwoch, 11. Mai 2011
|
Dr. Andreas Hellmann, Christina von Rotz
Rhizome Studies I Was ist ein Rhizom? Ein Rhizom ist ein Wurzelgeflecht – eine Wurzelart ohne zentralen Hauptstrang, mithin bestehend aus vielen, sehr vielen einzelnen Wurzelsträngen. Der Rhizom-Begriff avancierte in der französischen Philosophie und Soziologie der 70er und 80er Jahre zu einer Metapher für nicht-hierarchische, dezentrale Netzwerke/Systeme. Der Vortrag untersucht Struktur, Funktionalität und Prozessualität solcher rhizomatischen Netzwerke anhand folgender Leitbegriffe: Nicht-Hierarchität, Dezentralität, Konnektivität, Kommunikation, Kreativität, Information, Zeit, Differenz und Multitude.- Erster Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Rhizom-Studies, die ein zentrales Element der Forum Innovativs bildet. Er hat zugleich einführenden wie programmatischen Charakter für die verschiedenen Themenstränge, die im Forum Innovativ verfolgt werden sollen. Lit.: Deleuze, G. & Guattari, F. (1992). Tausend Plateaus. Merve Verlag, Berlin, p.11-42 Zu den Referenten: Andreas Hellmann (Dr. phil, Philosoph und Soziologe, Zürich), Christina von Rotz (Medienwissenschaftlerin, Zürich) |
|
Mitwoch, 25. Mai 2011
|
Dr. Frank Stöcklin
Grundlagen der Physik: Die Entwicklung des Materie- und Energiebegriffs, Teil 1: Die Physik von John Dalton bis Niels Bohr In den Anfängen der Physik standen vor allem die Begriffsbildung zur Materie und die zur energetischen Bewegung im Vordergrund. Elektrische Begriffe, obwohl im Experiment bereits teilweise gut bekannt, wurden noch kaum systematisiert; das änderte sich erst wirklich entscheidend mit J.C. Maxwell. Die Betrachtungen und Grundlagen von Max Planck und Niels Bohr führten zu den modernen Begriffen, die im ersten Atom-Modell gipfelten. Die Frage von Energie, Enthalpie und dem (neuen) Entropiebegriff stammen allerdings aus der physikalischen Chemie des 19. Jhdt. Und erst die statistische Wärmelehre führte die Entropie, nun verallgemeinert, in die Physik ein. Einen ersten Abschluss fand diese Entwicklung mit der Einstein’schen Ableitung der Planck’schen Formel: E = h ν für schwarze Strahler. Beginn einer mehrsemestrigen Vortragsreihe zu den Grundlagen der Physik und der Chemie mit der Perspektive auf neue Entwicklungen in der naturwissenschaftlichen Forschung und der Technik. Zum Referenten: Frank Stöcklin (Dr. phil. nat, Physio-Chemiker, Basel Land) |
|
Mittwoch, 8. Juni, 2011
|
Dr. Daniel Fels
Elektromagnetische Information und Zellteilung bei Paramecien Physikalische Signale erlangen gegenüber chemischen Signalen mehr und mehr Aufmerksamkeit. Wir unterscheiden drei Formen des physikalischen Informationstransfers, nämlich vermittelt durch elektrischen Strom, elektromagnetische Wellen oder Schallwellen. Die physikalischen Signale des Einzellers Paramecium caudatum sind höchstwahrscheinlich elektromagnetischer Natur (Photonen). Wenn wir von elektromagnetischen Signalen sprechen, müssen wir zwischen Ursache und Bedeutung der Signale unterscheiden. Die hier vorgestellten Untersuchungen beziehen sich auf die Bedeutung der Signale in Abhängigkeit von Zelldichten, -wachstum und -mortalität. Eine der Herleitungen ist die, dass Paramecien ihre Populationsdichten elektromagnetisch regulieren und wir daher auch von optischem quorum sensing sprechen. Es gibt Hinweise, dass Paramecien auch die elektromagnetischen Wellen ihrer Umwelt wahrnehmen, also nicht nur jene ihrer Artgenossen, und dass sie sich mit diesen Wellen verhängen. Dies könnte die Beobachtung erklären, dass nur eine von zwei zueinander exponierten Zellpopulationen eine elektromagnetische Beziehung aufbaut, während die zweite von anderen Umweltfaktoren abhängt. Diese Eigenart der zwei Zellpopulationen wird mit dem Verhalten von zwei Photonen in einem typischen 2-Quanten Verschränkungsexperiment verglichen. Erste Ergebnisse von Effekten bedingt durch Rädertierchen (Rotatoria) – also vielzelligen Organismen, die zudem die gleichen Grössen wie Paramecien haben – zeigen, dass das Zellwachstum der Paramecien positiv korreliert ist mit den Veränderungen in der Popualtionsdichte der Rädertierchen. Zukünftige Experimente werden diskutiert hinsichtlich derer Voraussagekraft ebenso wie nicht-invasiver Methodik. Lit.: Fels, D. (2009). Cellular communication through light. PLoS One, 4 (4), e5086 [pdf] Zum Referenten: Daniel Fels, Dr. sc. nat., Biologe, Basel) |
|
Mittwoch, 22. Juni 2011
|
Dr. Tom Steininger
Die Evolution wird sich ihrer Selbst bewusst Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Bewusstseinskultur. Als Menschheit haben wir schon mehrere solche Schwellen überschritten. Am Anfang stand unsere Menschwerdung. Tiere, Primaten entwickelten ihr Bewusstsein zu einem Punkt an dem sie in einer ersten Form in der Lage waren „Ich/Wir“ zu sagen. Die ersten Menschen wurden ihrer Selbst bewusst. In der Achsenzeit erkannten die grossen Religionsstifter der Menschheit eine absolute Realität jenseits alles Relativen. Ob Tao, Brahman, Nirwana, JHWH, oder Logos, in dieser erleuchteten Erkenntnis begann sich reines Bewusstsein seiner selbst bewusst zu werden. Und als die grossen Künstler und Denker der Renaissance die Perspektive entdeckten, wurden sie der Perspektive des modernen Individuums bewusst. Wir stehen heute vor einem neuen Übergang unseres Bewusstseins. Der ganze Evolutionsprozess wird durch uns selbstbewusst. Zum Referenten: Tom Steininger (Dr. phil., Philosoph, Frankfurt) |
|
6. Juli 2011
|
Rafael Wiedenmeier
Kasachstan: Zwischen Kunst und Business Rafael Wiedenmeier lebte drei Jahre in Almaty (Kasachstan) 2007-2010. In dieser Zeit traf er auf viele Lebenswelten. Zum Einen die Kunst und die Kulturszene des Landes, die ihn dazu bewog, das ursprünglich geplante halbe Jahr zu verlängern und zum Anderen die Businesswelt internationaler Firmen, die versuchen, in diesem zentralasiatischen Land Fuss zu fassen. Der Vortrag handelt von Erlebnissen in dieser Zeit und aktuellen Auseinandersetzung mit dem Land. Zum Referenten: Rafael Wiedenmeier (Webentwickler und Fotograf, Zürich) |
|
20. Juli 2011
|
Dr. Andreas Hellmann
Rhizome Studies II Was ist eine Multitude? Die Multitude ist ein offenes, breit gefächertes Netzwerk, eine neue Form emanzipativer sozialer und politischer Bewegungen in Zeiten der Globalisierung. Gängige Übersetzungsversuche sind: Menge, Vielheit(en), auch Rhizom. Der Begriff der Multitude kann verstanden werden als ein Gegen- bzw. Nachfolgebegriff für das, was in der Soziologie und der politischen Philosophie lange unter Termini wie Volk, Masse oder Klasse diskutiert worden ist. Der Begriff meint also nicht (mehr) eine statische, vereinheitlichte, homogenisierte Masse von Menschen, sondern einen freien (freiwilligen), relativ spontanen und kreativen Zusammenschluss verschiedenartiger Individuen mit dem Ziel/Effekt, „jegliche Differenz frei und gleich auszudrücken, ein Netzwerk, das die Mittel der Begegnung bereitstellt, um gemeinsam arbeiten und leben zu können“ (Negri, Hardt, Multitude, Vorwort). Mit dem Konzept der Multitude ist die Erwartung verbunden, dass die Menge (Multitude) – als plurale, nicht-vereinheitlichte – sich den repressiven Zugriffen verschiedener Art letztlich erfolgreicher entziehen kann. Lit.: Negri, A. & Hardt, M. (2004). Multitude, Krieg und Demokratie im Empire. Campus Verlag, Frankfurt/M Virno, P. (2005). Grammatik der Multitude. Untersuchungen zu gegenwärtigen Lebensformen. ID Verlag, Berlin Zum Referenten: Andreas Hellmann (Dr. phil, Philosoph und Soziologe, Zürich) |